Alice Schanzer *22.10.1897
Helma Schanzer *25.11.1891
Julius Schanzer *1893
Viktor Schanzer *1860

Prinzenstr. 9/11, Do-Mitte

Der aus dem schlesischen Witonerici bzw. Witanowice stammende jüdische Buch- und Kunsthändler Viktor Schanzer kam um 1877 nach Dortmund.
Hier wurde er schnell ein wichtiges Mitglied des Dortmunder Zeitungswesens. So kaufte er 1877 eine lokale Zeitung auf, die ab 1895 unter dem Namen „Dortmunder Tageblatt“ erschien.
Gemeinsam mit seiner Frau Mathilde (gest. vor 1938) hatte Viktor sechs Kinder: Helma, Julius, Alice, Rudolf, Henriette und Susanne. Helma und Alice wohnten ihr gesamtes Leben mit Viktor zusammen.

Julius arbeitete nach seinem Studium – er war Musikpädagoge und beherrschte die Violine – als freiberuflicher Musiklehrer und war zudem am Städtischen Konservatorium tätig. 1938 zog er zurück zu seinem Vater und seinen Schwestern in die Prinzenstraße 9/11. Im selben Jahr wurde er im Zuge der Reichspogromnacht kurzzeitig im KZ Sachsenhausen inhaftiert.

Seine beiden Schwestern ergriffen den Beruf der Lehrerin und unterrichteten in den 20er und 30er Jahren an verschiedenen, teils jüdischen, Schulen in Dortmund. Ihren nach 1933 arbeitslosen Vater Viktor und Bruder Julius unterstützten sie finanziell.

Nach dem Verkauf seiner Zeitung an die DDP 1922 verblieb Viktor zunächst als Berater in der Agentur. Nach dem Tod seiner Frau Mathilde zog er 1938 in die ehemaligen Gebäude der Zeitungsagentur in der Prinzenstraße, die in seinem Besitz waren. Obwohl laut eines Vertrages Viktor das Haus verkaufen und mit seinen Kindern auswandern sollte, blieb Viktor in Dortmund. Drei seiner Kinder – Rudolf, Henriette und Susanne – wanderten im folgenden Jahr in die USA und die Niederlande aus, wo sie den Holocaust überlebten.

Helma, Alice und Julius hingegen blieben in Deutschland und wurden im April 1942 zunächst in das Ghetto Zamosc und von dort aus in das KZ Sobibor oder das KZ Belzec deportiert, wo sie schließlich ermordet wurden.

Viktor Schanzer wurde im Sommer desselben Jahres im hohen Alter von 82 Jahren in das KZ Theresienstadt gebracht, wo er bereits im Oktober aus nicht näher bekannten Gründen verstarb. Die Gebäude der Prinzenstraße 9/11 fungierten im Folgenden als Judenhäuser, von denen aus weitere Transporte Richtung Zamosc folgten. Nach 1945 wurden Viktor, Alice und Helma Schanzer amtlich für tot erklärt.

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